Verwendung von Holz im Mittelalter

Materielle Güter aus Holz sind eigentlich nur eine kleine Fundgruppe in der Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, da der Rohstoff in der Regel schnell vergeht. In bestimmten Regionen bietet der Boden aber gute Erhaltungsmöglichkeiten für organische Materialien und zeigt dabei vielfältigste Funde aus dem Material. Obwohl es im Vergleich also wenige Holzfunde gibt, kann man annehmen, dass es neben Metallen, Ton, Stein oder auch Knochen einer der wichtigsten Werkstoffe war.

Das wird beispielsweise an Holzgefäßen deutlich, die vorwiegend in Latrinen mittelalterlicher Städte entdeckt wurden. Trotz der geringen Fundmenge wurden Holzgefäße zu dieser Zeit wahrscheinlich im vergleichbaren Umfang wie Keramik benutzt, da sie beständiger und weniger bruchgefährdet sind und vielleicht auch wie heute eine hohe Wertschätzung genossen. So konnte man Schüsseln, Teller, Becher, Kannen, Schalen, Feldflaschen, Dosen, Eimer oder Leuchter an mehreren Fundstellen nachweisen.

Insgesamt waren Holzgefäße zu dieser Zeit aber nicht unbedingt essentiell, da man Behältnisse ebenso aus Keramik oder Glas herstellen konnte.

Im mittelalterlichen Hausbau ist Holz jedoch der wichtigste Rohstoff. Der Grund dafür ist, dass das Material gut verfügbar und kostengünstig war, man es leicht bearbeiten konnte und es ein hohes Wärmedämmungsvermögen hat. Dabei ist es trotzdem beständig und relativ bruchsicher. 

Besonders im Frühmittelalter herrschten noch Hütten aus Holz und Stein sowie Pfostenbauten vor. Keines dieser Häuser konnte sich bis heute erhalten, dafür findet man auf Ausgrabungen die typischen Pfostenlöcher. Es gibt mehrere Formen von solchen Holzbauten, die sich vor allem aufgrund unterschiedlicher Bedürfnisse, regionaler Bedingungen oder sozialer Milieus voneinander unterscheiden. Eine im mitteleuropäischen Raum weit verbreitete Art bilden zum Beispiel die Grubenhäuser, die primär vom Früh- bis ins Hochmittelalter vorkamen. In den größeren Orten errichtete man ab dem 13. Jahrhundert dagegen Fachwerkhäuser, die auch heute noch zum Bild vieler Städte gehören. Besonders in solchen großen Ständerbauten wurde eine große Menge des Rohstoffs verbaut: Für den Bau eines Fachwerkhauses in Bayern berechnete man, dass für die Fertigstellung insgesamt 120-130 Baumstämme benötigt werden. Auf der anderen Seite war Holz ebenso von Bedeutung für den Handel und für Entdeckungsreisen. So dienten Fahrzeuge wie Wagen oder Karren der Lastenbeförderung oder auch als Fortbewegungsmittel. Sehr viel Holz wurde im Mittelalter aber auch auf den Schiffsbau verwendet. Die nordischen Wikingerschiffe, wie das Osebergschiff mit seinen zahlreichen Funden, ist eines der schönsten Beispiele für mittelalterliche Holzbearbeitung und Schnitzkunst. Die Schifffahrt beschränkte sich schon im Mittelalter nicht nur auf Küsten oder Flüsse, sondern überfuhr man schon ab dem 9./10. Jahrhundert den Nordatlantik. Der natürliche Rohstoff war hierbei das tragende Element, das Schiff, Ruder und Bordgegenstände dominierte.

Genauso ist Holz bei kriegerischen Auseinandersetzungen und Verteidigungsmaßnahmen des Mittelalters nicht wegzudenken. Eine Vielzahl von Hieb-, Stich und Fernwaffen besaß hölzerne Komponenten, wie zum Beispiel die Schäfte von Streitkolben, Äxten oder Dolchen. Fast komplett aus Holz bestehen dagegen Pfeil und Bogen, Speere, Schilde oder Armbrüste. Wie alle anderen Güter aus dem Material sind hölzerne Ausrüstungsgegenstände von Rittern eher selten nachzuweisen. Häufiger findet man im Gelände dafür metallische Ausstattungen von Pferden, wie Steigbügel, Hufeisen oder Sporen. Nur wenige Funde, wie zum Beispiel acht erhaltene Langbögen aus Oberflacht, lassen einen die Herstellungstechniken und Handhabungen der mittelalterlichen Holzwaffen genauer verstehen. Der Großteil der mittelalterlichen Waffen wurde auf Burgen und nicht in Siedlungen entdeckt, da kriegerische Handlungen wahrscheinlich eher auf größerem und bedeutenderem Terrain stattfanden. Das ist auch der Grund dafür, dass verschiedene Belagerungsgeräte aus Holz hergestellt wurden, wie Rammböcke oder Belagerungstürme, mit denen man versuchte die Burg einzunehmen.

Im Freilichtmuseum Oerlinghausen findet man neben dem Bronzezeithaus die Rekonstruktion eines Bohlenweges. Dabei handelt es sich um befestigte Wege aus mehreren Reihen von hölzernen Schwellen, die teilweise viele Kilometer durch Moore führten. Dadurch hatte man die Möglichkeit, das unwegsame und auch gefährliche Gelände in jeder Jahreszeit sicher passieren zu können. Die Wege datieren von der Jungsteinzeit bis ins späte Mittelalter, wobei sie sich im Laufe der Zeit typologisch nicht veränderten. Aufgrund der Landschaft befinden sich Bohlenwege vornehmlich in Norddeutschland, in Niedersachsen konnte man zum Beispiel über 300 Stück nachweisen.

Auch in der mittelalterlichen Kunst kann man den Rohstoff Holz nicht wegdenken. Besonders für die unterschiedlichen Musikinstrumente war es ein wichtiger Werkstoff, genauso wurde das Material aber auch von einigen Kunsthandwerken verwendet. So fertigten Holzschnitzer Kunstgegenstände für Kirchen an oder verzierten verschiedene Objekte, wie Holzbalken in Dachkonstruktionen, Chorgestühl und Vertäfelungen oder auch Möbel und Geschirr. In der Gotik galt das Schnitzen von kleinen Gegenständen als nicht zunftfähig, weshalb viele Teller, Gefäße, Haarnadeln oder auch Spielzeug wahrscheinlich in Heimarbeit verziert wurden.

Obwohl der Holzschnitzer ein eigener Beruf war, mussten auch die übrigen Handwerker, wie der Zimmermann, der Wagner oder auch der Holzschuhmacher das Schnitzen beherrschen. Im Gegensatz zu den anderen Handwerken produzierten Holzschnitzer aber noch Musikinstrumente und Druckplatten für Holzschnitte. Anfangs wurden die Holzschnitte für Schrift und Illustration verwendet, wie zum Beispiel für Gebetstexte. Nach der Erfindung des Buchdrucks wurden ausschließlich Illustrationen mit Holzschnitten hergestellt. 

Auch die Musik des Mittelalters wird hauptsächlich von dem Material bestimmt, vor allem da es hervorragende akustische Eigenschaften besitzt. So stellten Holzschnitzer zum Beispiel Drehleier, Fideln, Flöten, Harfen, Lauten oder Schalmeien her. Einige Musikinstrumente, wie die Harfe oder die Laute, galten dabei als rein höfische Instrumente, die meist nicht von der normalen Bevölkerung, sondern von den Künstlern am Hofe gespielt wurden. Leider ist die Fundmenge von Musikinstrumenten aufgrund der schlechten Erhaltungsbedingungen sehr gering und es geben uns vor allem zeitgenössische Bilder und Texte einen Einblick in die mittelalterliche Musik. Eine Ausnahme bilden nur wenige Funde, wie zwei Leiern aus Oberflacht, die ins Frühmittelalter datieren und damit die ältesten Saiteninstrumente nördlich der Alpen sind.

 

 

Die wichtigsten Heizmaterialien des Mittelalters waren Holz und Holzkohle. Schon im Frühmittelalter wurde Holzkohle in Meilern hergestellt, die kugelförmig aufgeschichtet und mit Reisig, Laub und Erde bedeckt werden, sodass eine luftdichte Abdeckung entsteht. In einem kleinen Schacht im Zentrum des Meilers wird das Holz angezündet, das ab 300°C anfängt, zu verkohlen. Der Beruf des Köhlers spielte dabei eine besondere Rolle, da Köhler den Verkohlungsprozess überwachten und steuerten. Die dabei entstehende Holzkohle war von größter Wichtigkeit als Brennmaterial bei verschiedenen Produktionsverfahren. In Glashütten benutzte man Holzkohle als Brennstoff und zur Glasherstellung benötigte man die aus Holzasche hergestellte Pottasche. Auch in Ziegelbrennereien sowie zur Eisengewinnung und -bearbeitung war der Rohstoff von größter Wichtigkeit: Um einen Zentner Roheisen herzustellen benötigte man ungefähr 15-20 Zentner Holzkohle und damit etwa 4-6 Tonnen Holz. Ebenso brauchten Schmiede, Bäcker, Töpfer oder Bierbrauer Holz, so wie natürlich auch jeder mittelalterliche Haushalt zum Heizen oder Kochen.

Wie man also sehen kann, war das Material Holz aus dem alltäglichen Leben im Mittelalter nicht wegzudenken. Trotz der schlechten Erhaltung kann man vor allem dank der schriftlichen und bildlichen Quellen einen Einblick in den vielseitigen Umgang mit dem Material bekommen und erahnen, in wie vielen unterschiedlichen Bereichen es eingesetzt wurde.

 

MayBritt Peters

 

Literaturauswahl

  • ​M. Bennett, Kriege im Mittelalter. Schlachten - Waffen - Taktik (Stuttgart 2009).
  • T. Capelle, Holzgefässe vom Neolithikum bis zum späten Mittelalter. Münstersche kleine Schriften zur Ur- und Frühgeschichte 1 (Hildesheim 1976).
  • D. Ellmes/U. Schnall, Schiffbau und Schiffstypen im mittelalterlichen Europa. In: U. Lindgren (Hrsg.), Europäische Technik im Mittelalter (Berlin 1997)2, 353-370.
  • S. Felgenhauer-Schmiedt, Die Sachkultur des Mittelalters im Lichte der archäologischen Funde (Frankfurt a. M. 1995)2.
  • D. Meier, Seefahrer, Händler und Piraten im Mittelalter (Ostfildern 2004).
  • R. Wolf, Leier, Leuchter, Totenbaum. Holzhandwerk der Alamannen : Texte zur Sonderausstellung vom 29.05.-10.11.1991, Württembergisches Landesmuseum Stuttgart (Stuttgart 1991).
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MayBritt Peters

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