Mein Freiwilliges Soziales Jahr im Museum

Vor einem Jahr habe ich mein Abitur gemacht, aber so wirklich bereit fürs richtige Leben war ich noch nicht. Am 1. September 2016 fing dann mein Freiwilliges Soziales Jahr (eigentlich Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege) im Museum an. Natürlich will ich damit nicht sagen, dass ich jetzt, nach einem FSJ, total die Ahnung davon hätte, aber man macht eine gewaltige Veränderung durch und entwickelt sich extrem weiter. Man wird ein kleines bis großes Stückchen erwachsener. Ich kann hier nur von mir als Person sprechen und nicht für alle anderen FSJler, aber dieses eine Jahr im AFM Oerlinghausen hat mir unglaublich viel gebracht.  Auch wenn es jetzt total kitschig klingt, aber hätte ich das FSJ nicht hier im AFM gemacht, wäre ich nicht die Person, die ich jetzt bin. Darum möchte ich mit diesem Blog-Artikel einige meiner gesammelten Erfahrungen teilen. 

 

Aller Anfang ist schwer

Meine Bewerbung hatte ich schon im März 2016 geschrieben und abgeschickt. Ursprünglich wollte ich ins Historische Museum in Bielefeld, da dort mein Vater arbeitet und ich so den Luxus eines Autos für Hin- und Rückfahrt hätte genießen können. Zudem hätte ich da schon einige Leute gekannt, was natürlich kein Nachteil gewesen wäre. Ich bin aber im Nachhinein wirklich mehr als froh, dass ich hier im AFM gelandet bin.

Ende April hatte ich mein Bewerbungsgespräch. Für mich war es das erste Bewerbungsgespräch meines Lebens. Dementsprechend nervös war ich und hatte dann natürlich auch die größten Ängste, es voll zu vermasseln. Ich hatte mich auf Fragen vorbereitet, die natürlich nicht gestellt wurden. Stattdessen kam dann die Frage auf, warum ich denn überhaupt ein FSJ beginnen wollte. Damit hatte ich natürlich nicht gerechnet (an das Offensichtliche denke ich natürlich nicht!) und trat somit voll ins Fettnäpfchen. Irgendetwas hatte ich mir dann da zu Recht gestammelt. Was genau, weiß ich allerdings nicht mehr. Aber anscheinend war ich überzeugend genug, denn sonst hätte ich mein FSJ ja nicht hier im Museum abgeleistet.   

Offiziell angefangen habe ich, wie gesagt, am 1. September. Allerdings war ich schon drei Tage eher da, damit mich mein Vorgänger einarbeiten konnte. Am Anfang war ich noch immer ziemlich nervös und kam mir auch ziemlich hilflos vor, was aber durchaus normal ist, denke ich.

An die ersten zwei Wochen kann ich mich kaum noch erinnern, aber im Museum selbst war gerade die Planung der Wikingertage 2016 im vollen Gange. An mir rauschte das alles nur so vorbei, weil so viele neue Eindrücke auf mich einwirkten. Zwischen Schule und Museumsarbeit gibt es Unterschiede, die sich ziemlich schnell bemerkbar machten. Dazu fällt mir immer das Wort „Freiheit“ ein. Die Freiheit, die ich auf einmal bei der Arbeit und auch im Alltag hatte, war in gewisser Weise überfordernd. Selbstorganisation und Eigeninitiative waren nun wichtiger denn je. Es war neu für mich, in weiten Teilen selbst zu entscheiden, was ich in welcher Reihenfolge angehe. Das gab es für mich als Schülerin nicht. Alles lief nach dem Stundenplan ab. Das fiel natürlich im Museum weg. Man weiß nie, was am Tag genau passiert, ich musste lernen wieder für alles offen zu sein. Und dieser Lernprozess war für mich wirklich nicht einfach. Aber ich glaube, ich habe mittlerweile gelernt, mit dieser Freiheit umzugehen.

Einblicke hinter die Kulissen

Nach diesen ersten zwei Wochen hatte ich mein erstes Seminar, auf dem ich die anderen FSJler, die von derselben Organisation (ijgd) betreut wurden, kennenlernte. Am Wochenende nach dem Seminar fanden die Wikingertage 2016 im Museum statt und natürlich wollte ich dabei sein und war auch zum Arbeiten eingetragen: Fotos machen, auf Facebook hochladen und beim Kaffee- und Kuchenstand helfen. Dieser Sprung ins kalte Wasser hat richtig viel Spaß gemacht und ich freue mich auch dieses Jahr wieder dabei sein zu können.

Bei den Wikingertagen lernte ich auch einige „Koryphäen“ des Museums kennen, mit denen ich mich inzwischen sehr gut verstehe. Leider waren die Wikingertage die letzte Großveranstaltung der Saison, die sich so langsam dem Ende entgegenneigte. Aber trotzdem war das, was ich an Input über diese letzten anderthalb Monate der Saison bekam, immer noch enorm und interessant.

Ich war in der Saison auch samstags immer im Museum, sodass ich nicht nur sehr vieles hinter den Kulissen mitbekam, sondern auch Einblicke auf die andere Seite hatte, die genauso beeindruckend und wichtig ist. Denn was ist ein Museum ohne Besucher? Leider ging die Saison viel zu schnell zu Ende, sodass ich in den Wintermonaten fast ausschließlich im Büro saß und in der Verwaltung half (sofern ich das konnte), bis die Saison im April wieder losging.

 

Die Winterpause

In der Zwischenzeit war ich auch noch auf zwei Seminaren. Bei einem sollten wir mit der Bildhauerei vertraut gemacht werden. Die Aufgabe war es ein Gesicht in den Stein zu bekommen. Viele haben das richtig gut hinbekommen. Ich nicht! Ständig ist der Stein an einer anderen Stelle weggebrochen, als er sollte und AHHHHHH!!! Ich und Steine werden definitiv keine Freunde mehr in diesem Leben. 

 Das Thema beim zweiten Seminar war Intarsie. Dort haben wir dann selbst mittels Furniertechnik einen Ordner hergestellt. Das Ganze hat echt viel Spaß gemacht und auch das Ergebnis lässt sich hier sehen.

Ein weiteres Ereignis für mich während der Winterpause war die Tourismusmesse in Bad Salzuflen. Dort habe ich mitgeholfen, das Museum zu vertreten, und das hat unglaublich viel Spaß gemacht. Auch das würde ich auf jeden Fall wieder machen.

Als sich die Pforten wieder öffneten…

Allerdings muss ich auch sagen, dass ich mehr als froh war, als das Museum seine Tore wieder für die Besucher öffnete. Dadurch wurde mein Arbeitstag wieder lebendiger, da natürlich mehr los ist, wenn Besucher im Haus sind, und man auch die anderen Mitarbeiter wieder öfter sieht. Da ich ja, wie schon erwähnt, auch samstags gearbeitet habe, wurde ich nun auch zum Wochenenddienst eingeteilt. Hier ist man dann mitten im Geschehen. Nicht nur das Schweine-Füttern hat unglaublich viel Spaß gemacht. Relativ schnell zeigte sich, dass die Beiden ziemlich verfressen sind, denn man musste morgens nur an dem Gehege vorbei gehen und wurde direkt mit einem freundlichen und auffordernden Grunzen begrüßt. Auch das Kennenlernen der Living History-Szene war mehr als interessant und lehrreich. Mit dem Wochenenddienst ging auch die Übernahme von Gruppen einher, was ich mehr als gerne gemacht habe, vor allem wenn es um Speerschleudern und Bogenschießen ging. Aber auch das Fladenbrotbacken und Tonperlenherstellen hat viel Spaß gemacht. Auch wenn ich beim ersten Mal immer sehr nervös war.

In der Zeit vom Saisonstart bis jetzt hatte ich noch drei weitere Seminare. Zwei davon haben wir in Senden an dem Wasserschloss verbracht. Das Schloss stand mehrere Jahre leer und verfiel nach und nach, da sich keiner mehr darum gekümmert hat. Seit zwei Jahren helfen FSLler der ijgd im Rahmen der Seminare dabei dieses Schloss zu restaurieren. So auch wir. Beim ersten Seminar war es lausig kalt und ich wäre fast erfroren, denn natürlich gab es in diesem Schloss keine funktionierende Heizung. Es war teilweise auch ziemlich ekelig, die ganzen alten und stinkenden Möbel daraus zu schleppen. Beim Zweiten Seminar war das Wetter viel besser und das Arbeiten hat so auch mehr Spaß gemacht.

Beim letzten Seminar war ich nicht dabei, da ich krank war. Das fand ich sehr schade, weil ich einige von den Leuten gerne noch einmal wieder gesehen hätte. Aber ich hoffe, das lässt sich trotz unserer verschiedenen Wege nach dem FSJ einrichten.

Ich habe so unglaublich viel erlebt in diesem Jahr, dass ich das alles gar nicht in Worte fassen kann. Ich habe mich stark weiterentwickelt und bin etwas erwachsener geworden, soweit wie ich das beurteilen kann. Mit meinem Ich von vor einem Jahr kann ich mich nicht mehr vergleichen. Ich habe ganz wundervolle und beeindruckende Menschen kennengelernt, denen ich vertraue und die ich sehr wertschätze. Dafür, dass ich diese Menschen kennenlernen durfte, bin ich unglaublich dankbar. Man sagt ja immer, dass man mit einem weinenden und einem lachenden Auge geht. Das trifft voll und ganz zu. Ich werde alles ganz furchtbar vermissen, aber ich freue mich auch schon darauf, mein Studium „Populäre Musik und Medien“ anzufangen und das Museum einfach mal nur als Gast zu besuchen.

Author:

Rebecca Offelnotto

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