Ein Museum – Ein fremder Blog – Ein Tag

Tja liebe Leserinnen und Leser. Jetzt haben wir genau einen Tag Zeit Ihnen hier auf dem Blog vom unserem lieben #Archaeo-Swap - Tauschpartner - Museum #Oerlinghausen etwas über uns, unser Anliegen und unsere Arbeit zu berichten.

Ziemlich wenig Zeit, wenn man bedenkt, dass es das Museum in seiner heutigen Form schon seit nun mehr 20 Jahre gibt.

Vor 1996 war das Neanderthal Museum nämlich in der heutigen #Steinzeitwerkstatt untergebracht, in der nun Workshops und Veranstaltungen stattfinden, in der unsere Abguss-Sammlung beherbergt ist, und in der auch noch einige wissenschaftliche und pädagogische Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz haben.

Am 10. Oktober 1996 wurde das Neanderthal Museum mitten im Neandertal eröffnet, unweit der Fundstelle, auf der 1856 Steinbrucharbeiter auf die Knochenfunde stießen, die maßgeblich für die Namensgebung verantwortlich waren.

Apropos Namensgebung:  Dem aufmerksamen Leser ist im vorangegangenen Satz bestimmt die Widersprüchlichkeit aufgefallen, dass das Neandertal ohne „h“ geschrieben wurde und das Neanderthal Museum, also folglich auch der Neanderthaler,  mit „h“ geschrieben wurde.

Ein Fehler? Nein, natürlich nicht. Diese Schreibweise ist auf die historische Rechtschreibung aus dem Jahr 1856 zurückzuführen als das Tal noch mit „h“, also Thal, geschrieben wurde. Da 1856 der Neanderthaler nach dem namensgebenden idyllisch gelegenen Neandertal benannt wurde, hat man dieses noch Neanderthal geschrieben. Die moderne Rechtschreibung schreibt das Neandertal ohne „h“.

Nach dieser kleinen Abschweifung in die historische Rechtschreibreform, aber nun weiter mit der Idee Ihnen in einem Blogbeitrag das Neanderthal Museum so gut vorzustellen, dass Sie dieses möglicherweise eines Tages einmal selbst besuchen werden. Dafür ist der Swap ja eigentlich gedacht, oder nicht? Ja und nein, denn natürlich freuen wir uns auch einfach, Ihnen mal so etwas über unsere Arbeit zu berichten. Wenn es trotzdem oder gerade deshalb zu einem Besuch kommt, freuen wir uns natürlich auch. Eine Kultureinrichtung kann ja schließlich immer Besucher gebrauchen!

Weiter also mit dem Museum: Im Jahr 1996 wurde es also erbaut. Eine Glasfassade die im Inneren in einer spiralförmigen Rampe – die übrigens die Schnittstelle für Architektur und Ausstellung bildet, da sie als Symbol für die Evolution und ihre Unendlichkeit steht- bis in das 3. Obergeschoss die Dauerausstellung des Museums beherbergt. Die Dauerausstellung wurde bereits zweimal, 2006 und 2016, aufgrund neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse aus den Bereichen Humanbiologie, Evolutionsbiologie und Paläogenetik modernisiert und aktualisiert. Sie gliedert sich in sechs Themenbereiche, die nicht nur den Homo sapiens neanderthalensis thematisieren, sondern die gesamte Menschwerdung mit all ihren Ausläufern und Facetten wiederspiegelt. Neben Mitmachstationen für die allerjüngsten Besucher, können auch Lernwillige ältere Besucher in den sog. „Forscherboxen“ ihren neu erlernten Wissensstand noch vertiefen, um sich im Anschluss im Museumscafé, mit einem wunderbaren Blick in die wilde Natur des Neandertals, einen leckeren Eiskaffee zu gönnen. Das Museumscafé bildet somit den Abschluss der Spirale.

Aber der Besuch kann selbst nach dem Kaffee noch weitergeführt werden. Das Untergeschoß  präsentiert unsere regelmäßig wechselnden Sonderausstellungen, die oftmals im Anschluss in weiteren Museen präsentiert werden und sich als Wanderausstellungen im ganzen deutschsprachigen Raum behaupten.

Momentan wird dort die Ausstellung „2 Millionen Jahre Migration“ gezeigt, welche natürlich nicht nur das aktuelle Flüchtlingsproblem anspricht, sondern auch und vor allem die archäologischen und anthropologischen Spuren des Phänomens „Migration“ sucht und somit einen Blick in unsere früheste menschliche Entwicklungsgeschichte  wirft, die nämlich zeigt, dass „Migration“ alles andere als ein modernes Phänomen ist.

Nach der kleinen aber feinen Ausstellung bietet sich dann noch ein Besuch auf dem Fundplatz an, der ein paar hundert Meter entfernt auf dem Platz errichtet wurde, an dem 1856 die Neanderthaler-Knochen gefunden wurden. Dem exzessiven Kalkabbau während der industriellen Revolution geschuldet, ist vom eigentlichen Fundplatz jedoch nichts mehr zu erkennen. Der heutige Fundplatz soll dem Besucher vielmehr ein Gefühl dafür vermitteln, wie es hier einmal aussah, sprich wie die Topographie des ursprünglichen Neandertals einmal beschaffen war und wieviel Zeit seitdem verstrichen ist. Von den Steinliegen auf dem Fundplatz ausgehend, auf denen der ein oder andere Besucher sicherlich schon einmal nach einem spannenden Museumsbesuch ein erholendes Nickerchen gehalten hat, geht es weiter in Richtung Wald.

Hier beginnt der Kunstweg „Menschenspuren“, der unter anderem auch mit dem Audioguide-System des Museums erschlossen werden kann und die Besucher nun auf kunsthistorischen Perspektiven in einer kleinen Runde durch das traumhafte Neandertal führt und die Spannung Kunst-Natur erlebbar machen möchte. Die unterschiedlichen Kunstwerke fordern auf zur Selbstreflexion über die Natur des Menschen und sollen so zu einer neuen Betrachtungsweise der Natur verleiten. Die Spuren der Künstler verbinden sich auf dem Rundweg an der Düssel in immer neuer Weise mit der Landschaft.

Eine Landschaft, die den ein oder anderen den stressigen Alltag vergessen lässt. Zwar nicht mehr so verwildert wie 1856, doch immer noch ist das Neandertal ein malerisches romantisches Örtchen, durch das sich die Düssel zwischen Felsen und herabhängenden Weidenästen schlängelt.

Nicht umsonst ist das Neandertal Naturschutz-, und Naherholungsgebiet!

Vom Kunstweg aus startend lässt sich dieses schöne Stückchen Erde dann bei Ihrem Besuch auch noch weiter erkunden. Der Rundweg um das eiszeitliche Wildgehege lädt zu einem ausführlicheren Spaziergang ein, bei dem es neben einem Blick auf Tarpan, Auerochse und Wisent eine wunderschöne Aussicht auf Düsseldorf und die umliegenden Regionen von Mettmann gibt.

Anderthalb Stunden später – wieder am Museum angekommen – gibt es nun auf der gegenüberliegenden Straßenseite das neu eröffnete Café ‚Neandertal No. 1‘, welches neben Kaffee und Kuchen bald auch Picknickkörbe zum Ausleihen anbietet und den neu erlernten romantischen  Blick auf das Tal auch im liebevoll gestalteten Innenraum nicht links liegen lässt.

Und falls Sie nach all diesen Möglichleiten, Aktionen und Erlebnissen, die Sie bei uns und in unserer nächsten Umgebung erfahren haben, immer noch nicht müde sind, dann begeben Sie sich doch auf den Neanderlandsteig, der in 243km rund um den Kreis Mettmann führt.

Und dann, so die Erfahrung, ist selbst der wanderbegeisterteste und aktivste Besucher irgendwann müde. Aber bestimmt kommt er dann sicherlich irgendwann wieder, weil alle 243 km sich nicht an einem Tag wandern lassen und weil das Neanderthal Museum auch immer wieder neue spannende Sonderausstellungen anbietet und sich so ein weiterer Besuch natürlich lohnt.

So, nun hoffen wir, dass wir mit diesem kleinen auf Papier gebrachten Besuch durch das Neanderthal Museum und seiner Umgebung den Blog des Archäologischen Museums Oerlinghausen angemessen eingeweiht haben und den ein oder anderen Leser einen Besuch bei uns schmackhaft genug gemacht haben, dass er den Anfahrtsweg von knapp 170 km, kommt er aus Oerlinghausen (Eigentlich nicht zu weit, für einen Tagesausflug!), in Kauf nimmt, um uns einmal zu besuchen. Darüber würden wir uns nämlich sehr freuen ;-)

Museumstrailer:

Wir bedanken uns ganz herzlich, dass wir im Zuge des #ArchaeoSwaps euren Blog einweihen durften und freuen uns schon auf das nächste Jahr, wo es vielleicht wieder solch eine tolle Social-Media Aktion zwischen archäologischen Museen gibt!

Liebe Grüße und hoffentlich bis bald vom Team des Neanderthal Museum ;-)

Author:

Saskia Hucklenbruch

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Kommentare

13.05.2019 | Ralf

Wir haben immer wieder Gäste, die das Neandertal Museum besuchen und sich der Ausstellung erfreuen. Das Neandertal ist über seine Grenzen hinweg bekannt.

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